Auf ein Wort

Liebe Leserinnen, lieber Leser,

jetzt kann Gott kommen

Ein Mensch erfuhr, dass Gott zu ihm kommen wollte. „Zu mir? In mein Haus?“ Er rannte durch alle Zimmer, er lief die Treppen auf und ab, kletterte auf den Dachboden und stieg in den Keller hinunter. Er sah sein Haus mit anderen Augen. „Unmöglich! In diesem Haus kann man keinen Besuch empfangen. Alles schmutzig. Kein Platz zum Ausruhen. Keine Luft zum Atmen.“

Er riss Fenster und Türen auf. „Brüder! Freunde!“, rief er. „Helft mir aufzuräumen – irgendeiner! Aber schnell!“ Er begann, sein Haus zu kehren. Durch die dicken Staubwolken sah er, dass ihm einer zu Hilfe gekommen war. Sie schleppen das Gerümpel vors Haus, schlugen es klein und verbrannten es. Sie schrubbten Stiegen und Böden. Sie brauchten viele Eimer Wasser, um die Fenster zu putzen.

Und immer noch klebte der Dreck an allen Ecken und Enden. „Das schaffen wir nie!“, schnaufte der Mann. „Das schaffen wir!“, sagte der andere. Sie plagten sich den ganzen Tag. Als es Abend geworden war, gingen sie in die Küche und deckten den Tisch. „So“, sagte der Mann. „Jetzt kann er kommen, mein Besuch! Jetzt kann Gott kommen. Wo er nur bleibt?“ „Aber ich bin ja da!“, sagte der andere und setzte sich an den Tisch. „Komm und iss mit mir!“

(nach Lene Mayer-Skumanz)

Jetzt kann Gott kommen. Nicht erst, wenn die vier Adventswochen vorüber sind. Nicht erst im Gottesdienst am Heiligabend. Nicht nur, wenn eine Familie friedlich bei einem geschmückten Baum zusammen sitzt.

Jetzt kann Gott kommen – mitten in allen Vorbereitungen, aller Hektik, allen Fragen, aller Einsamkeit, denen wir auch in dieser Adventszeit wieder begegnen werden. Er ist schon mitten dabei, wenn ich versuche, mein Haus zu bestellen – meine vier Wände ebenso wie mein Lebenshaus.

Während ich noch damit beschäftigt bin, Platz und Ordnung für ihn zu machen, fasst er schon mit zu.

Ich möchte ihn nicht verpassen. Ich möchte darauf achten, wer mir begegnet in diesen Tagen. Ich möchte es nicht selbstverständlich hinnehmen, wenn ich Hilfe erfahre in allem, was ich schaffe oder eben auch nicht. Vielleicht gelingt mir das nicht. Vielleicht sitze ich nach diesen vier Wochen erschöpft und müde im Sessel und frage mich immer noch, wo er bleibt.

„Aber ich bin ja da!“ Advent und Weihnachten lebt von der Nachricht, dass Gott in Jesus Christus in die Welt gekommen ist. Vielleicht in der Hektik – vielleicht in der Einsamkeit: jetzt kann Gott kommen. Mehr noch: er ist längst da.

Herzliche (vor-)adventliche Grüße

Ihre Pastorin

S. Dremel-Malitte

Advent

Haus
und Herz
bestellen entrümpeln erhellen
Jesus soll Raum gewinnen
Advent

 

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