Auf ein Wort

Der Glaube und die Kirchenbank

Vor einiger Zeit war ich mit meinem Mann bei einer Beerdigung. Sein ehemaliger Kollege war verstorben und wir waren zur Eucharistiefeier in die Kirche eingeladen. Und wir waren froh das tun zu dürfen, um so Abschied nehmen zu können. Der Gottesdienst war lang. Ziemlich lang. Oder kam es mir nur so vor, weil mir die Vertrautheit „meiner Kirche“ fehlte!? Jedenfalls bemerkte ich sowohl bei meinem Mann wie auch bei mir und einigen anderen Gottesdienstbesuchern eine zunehmend unruhige Sitzhaltung. Als die Trauergemeinde nach dem Gottesdienst aufstand, da mussten sich doch Einige recken und strecken. Ja, so eine Kirchenbank ist kein bequemes Möbelstück. Es lässt sich eine Weile darauf aushalten, sicher. Ins Wohnzimmer würde man sie sich nicht stellen. Eine Kirchenbank ist eher zweckmäßig. Ein unbequemes Werkzeug, das uns dazu dient, dass wir uns mit uns selbst auseinander setzten. Kantig und schwer.

Mit unserem Glauben ist das ähnlich! Auch unser Glauben hat so seine Ecken und Kanten. Er macht es uns manchmal schwer ihn offen zu zeigen und mit uns zu tragen. Wie oft sieht man in ungläubige Gesichter, wenn man sich als Christ outet!? Scheint nicht besonders „in“ zu sein. Obwohl in diesen Zeiten!? Ist es da nicht wichtiger und notwendiger denn je?! Wie oft hört man Fragen wie: „Warum glaubst du? Warum bist du Christ? Was hast du davon? Eigentlich müsste man statt mit Rechtfertigung sofort mit einer Gegenfrage reagieren: „Und, was hast du davon, dass du nicht glaubst?“ Aber – solche Gespräche sind mühsam. Man erntet ein vielsagendes ober müdes Lächeln und weiß, du wirst hier nicht ganz ernst genommen. Schade!

Ja – der Glaube ist manchmal eine unbequeme Angelegenheit. Genau wie eine Kirchenbank. Es gibt Momente, Zeiten in denen wir es nicht einfach haben, am Glauben festzuhalten. Wo wir denken wir brechen unter einer Last oder einer Verantwortung zusammen. Wenn Dinge geschehen, wo wir uns fragen: „Warum Gott? Warum lässt du das zu?“ Ja, da fällt uns unsere Kirchenbank schwer auf die Füße. Da wünschen wir sie uns bequemer, leichter. Die Lehne nicht so steil, das Kissen dicker ausgepolstert.

Wäre das nicht schön? Schön, einfacher sicher, vermutlich aber nicht gut. Machte uns das nicht vielleicht schläfrig, wenn das Thema mal nicht so fesselt und es nicht alles so glatt läuft? Brauchen wir es nicht mal unbequem, wenn wir mit Gott hadern, wenn er unsere Belastbarkeit und Standfestigkeit so ausreizt? Damit wir wach bleiben in unserem Glauben, lebendig. Damit wir uns immer wieder neu mit Gott auseinander setzen. Wir brauchen Anstöße von außen, um uns auf ihn einzulassen. Dann erkennen wir: Gott gibt uns nur ein Kreuz zu tragen, das wir tragen und ertragen können. Lasst uns Glauben leben, in Gottesdiensten, im Gebet, an unseren Nächsten. Lasst ihn  uns hinterfragen, wenn er uns unbequem ist. Lasst uns kritisch sein, wenn uns etwas falsch erscheint oder wir etwas nicht verstehen. Lasst uns sicher sein, dass unser Glaube uns trägt, trotz seiner Ecken und Kanten, wie unsere Kirchenbank.

Claudia Hüsemann