Auf ein Wort

Liebe Gemeinde,

vor einigen Wochen sprach ich mit meinen Konfirmanden über die Farben der Paramente und deren Gebrauch im Kirchenjahr. Ich erklärte ihnen, welche Bedeutung die einzelnen Farben haben und wann sie im Kirchenjahr vorkommen.

So kamen wir schließlich zu der Farbe Violett, und ich sagte ihnen, dass diese Farbe für die Zeit der Vorbereitung, der Stille und des Nachdenkens stünde und im Kirchenjahr in der Passionszeit und in der Adventszeit den Altar schmückt. Als sie das hörten, waren sie sehr erstaunt. „Die Adventszeit ist doch gar keine ruhige Zeit“, bekam ich zu hören, „da ist es doch überall immer total hektisch und laut. Da kommt doch keiner zum Nachdenken!“

Recht haben sie, dachte ich bei mir. Jeder hat alle Hände voll zu tun, um all die Geschenke für seine Lieben zu besorgen. Überall wird gebacken, geputzt und gekocht. Eine Weihnachtsfeier jagt die nächste. In den Geschäften und auf den Weihnachtsmärkten wird man von morgens bis abends mit „Jingle Bells“, „Alle Jahre wieder“ und „Last Christmas“ beschallt, und wenn der Heilige Abend dann endlich da ist, sind alle völlig geschafft und kaputt von dem ganzen Weihnachsstress.

Advent: Zeit der Ruhe und der Stille, der Vorbereitung und des Nachdenkens?!

Ursprünglich pflegten sich Christen auf die Ankunft und die Geburt Christi vorzubereiten, indem sie in der vierwöchigen Adventszeit fasteten und verzichteten. Diese Zeit endete mit dem ersten Weihnachtsfeiertag, und das in dieser Zeit Ersparte sollte man den Armen zukommen lassen.

Ganz so streng müssen wir es ja nicht halten, liebe Gemeinde, aber ich denke, wir sollten doch versuchen die Adventszeit als eine Vorbereitungszeit zu sehen: eine Zeit, die auf das Fest hinzielt, es selber aber noch nicht ist. Alles in dieser Zeit dient seiner Vorbereitung.

Adventszeit ist Besinnungszeit: Besinnen bedeutet, sich zu erinnern und nachzudenken; an frühere Zeiten zu denken und sich an vergangene Adventszeiten zu erinnern; sich Zeit zu lassen, bei einer brennenden Kerze und mit lieben Menschen zusammen.

Es bedeutet in Ruhe und großer Gelassenheit die alten Adventslieder zu singen.

Advent: Zeit der Ruhe und der Stille, der Vorbereitung und des Nachdenkens!

Ich wünsche uns allen eine gesegnete, friedvolle Adventszeit.

Möge der Geist Gottes in uns Lichter der Freude anzünden, damit wir am Heiligen Abend Jesu Geburt fröhlich feiern können.

Der Herr behüte uns und schenke uns Zeiten der Vorbereitung und Zeiten der Besinnung und Freude!

Mit herzlichen Grüßen – und seien Sie auch im neuen Jahr 2020 Gott anbefohlen –

Ihre

Pastorin Daniela Uhrhan-Holzmüller