Auf ein Wort

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

es wird Sommer. Von den Temperaturen her sind wir schon eine ganze Weile lang mittendrin, nun beginnen auch die Schulferien.

Manche zieht es in die Ferne, manche bleiben zuhause – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Der Urlaub ist zu anderen Zeiten günstiger als mitten in der Hochsaison oder das Geld ist so knapp, dass auch an die anderen Zeiten nicht zu denken ist. Krankheit oder Alter lassen solche Planungen nicht zu. Es gibt auch Menschen, die schlicht keine Abwechslung brauchen oder wollen.

Und nicht wenige sind gerade in dieser Jahreszeit unabkömmlich am heimischen Arbeitsplatz, auf den Höfen und Feldern, wo sie in vielfacher Weise für unsere Lebensmittel sorgen.

Unser Titelbild hat mich an die Geschichte von der Maus Frederick denken lassen. Während seine Mäusekollegen eifrig damit beschäftigt sind, Nahrung zu sammeln, um Vorräte für den Winter einzulagern, scheint es, dass er gar nichts tut. Erst viel später stellt sich heraus, dass auch er gesammelt hat: Farben, Erinnerungen, Sommerbilder für den Winter. Und als die Vorräte zu Ende gehen, macht er sich und seinen Freunden die Wartezeit auf den Frühling mit seiner Sammlung leichter.

„Geh aus, mein Herz und suche Freud …“ Frederick hat sozusagen die Aufforderung aus dem Lied 503 in unserem Evangelischen Gesangbuch ganz wörtlich genommen, auch wenn Paul Gerhardt mit der Formulierung „mein Herz“ vermutlich seine Frau gemeint hat.

Das eigene Herz, die eigene Seele auf die Reise schicken zu den Schönheiten der Schöpfung. Schönes sammeln, nicht nur materiell. Ein Buch lesen, das schon ganz lange auf meiner Liste steht – oder auch eins, was ich nie auf eine solche Liste gesetzt hätte. Mal ganz andere Musik hören als sonst. Gedanken und Bilder in meinem Herzen festhalten, im Tagebuch oder wo auch immer.

Einer der ersten Gedanken kann ein Danke sein für all die, die es mir möglich machen, in der Hängematte zu liegen, mein Auskommen zu haben, versorgt zu sein und diese andere Art von Vorräten sammeln zu dürfen.

„Geh aus, mein Herz und suche Freud … an deines Gottes Gaben.“ Sammeln und dann auch wieder teilen. Nicht erst, wenn der Winter lang wird. Solche Vorräte verbrauchen sich nicht.

Eine gesegnete Sommerzeit wünscht Ihnen und euch

 

Susanne Dremel-Malitte